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"Brigitte Carlsens Stimme kennen viele aus ihrem Handy. Als Freiberuflerin hat sie Zeit, mit ihrem Hund zu spielen." Steht im ZEIT-Magazin Leben unter einem ganzseitigen Foto von einer Brigitte Carlsen, die mit ihrem Hund spielt. So stellen sich ZEIT-Redakteure also das Freiberuflerdasein vor, interessant. "Als Freiberuflerin hat sie Zeit, mit ihrem Hund zu spielen."
Heute halte ich erstmals einen Vortrag auf einem Schiff. In Potsdam. Da die Firma, für die ich das mache – meine alte Firma aus Chicago – einen Dress Code hat, musste ich mir extra neue Sachen kaufen. Eigentlich ist der Vortrag deshalb finanziell ein Nullsummenspiel, allerdings werde ich hoffentlich noch viel für sie arbeiten, und dann amortisiert sich so ein Hosenanzug schnell. Eher beunruhigt mich folgende E-Mail: "As you may have heard already, the ship has had a virus for about 2 weeks and many pax from the previous cruise were getting very ill. It may have been the Norwalk virus. The group prior to ours was disembarked one day early so the ship could undergo a major cleaning and sanitation. I hope that this will not affect our groups." Ich hoffe, ich fange mir heute auf dem Schiff nichts ein.
Der Exmann musste sich beim Job Center melden, und ich begleitete ihn zum Übersetzen in die Sickingenstraße. Kaum hatten wir eine Wartenummer gezogen, stürmten zwei Polizisten herein, im Schlepptau einen Bediensteten des Amtes, der am Empfang arbeitet. Er sah über alle Wartenden hinweg, erspähte einen jungen Mann, zeigte auf ihn (der junge Mann saß – das war sein Schicksal in diesem Moment – mit dem Rücken zum Geschehen), und dann liefen die Polizisten zu diesem Mann und nahmen ihn fest. Ob die Bediensteten am Empfang eine Liste mit gesuchten Personen haben? Wenn polizeilich gesucht, sollte man sich wohl besser nicht beim Job Center melden. Vor dem Job Center bewarben übrigens Billigstromanbieter ihre Dienste und prahlten mit jedem gesparten Cent.
In meiner Bürogemeinschaft sind alle Entscheidungsprozesse schwere Geburten. Gerade wird darüber debattiert, ob eine ehemalige Mieterin, die aber schon seit Ende 2007 keine Miete mehr zahlt, in unserem Gemeinschaftsraum noch einmal im Monat ihre Gender-Meetings abhalten können soll. Die Gender-Meetenden sind immer ziemlich laut, es klingelt die ganze Zeit an der Tür, und sie verstopfen immer die Küche, in der man dann als tatsächliche Mieterin auch schon mal von Unbekannten gebeten wird, doch bitte später seinen Kaffee zu kochen. Nun ist die Frage, ob das wirklich noch sein muss, und darüber kann man wahrlich unterschiedlicher Meinung sein. Lustigerweise wird bei jeder anstehenden Entscheidung auch wieder darüber gesprochen, wie man Beschlüsse denn nun fällen will: Mehrheitsvotum mit Vetorecht, oder doch anders? Das große Ächzen der Basisdemokratie.
Demnächst werde ich dann viel Zeit im Marriott Hotel am Potsdamer Platz verbringen. Bin schon wieder so involviert, dass ich beim Schreiben die alten Abkürzungsformeln benutze: "Will meet w/ Maika next week…" Es war mir noch nie klar, warum man ausgerechnet das kurze Wort with abkürzen soll, zumal man sich mit dem Slash gerade noch mal das th spart. Aber irgendwie mache ich das gerne, w/ schreiben.
"Als Freiberuflerin hat sie Zeit, mit ihrem Hund zu spielen." Was für ein Satz unseres vielgerühmten Qualitätsjournalismus. Man sollte sich diesen Satz merken, man sollte ihn sich aufschreiben und über sein Bett, seinen Schreibtisch und laminiert in die Dusche hängen. Vielleicht auch noch in den Kühlschrank legen. Auch als Desktop-Hintergrund oder Bildschirmschoner in verschiedenen Variationen, Größen und Farben würde sich dieser Satz gut machen. Er sollte mein neuer Leitsatz sein, auch wenn ich keinen Hund habe, er drückt so schön dieses lockere, unabhängige, easy-going Lebensgefühl aus. Die neue Leichtigkeit. Ein Satz, den man am Ende sogar auf einen Grabstein meißeln könnte: "Als Freiberuflerin hatte sie Zeit, mit ihrem Hund zu spielen."
Tschuldigung, ich glaube, ich muss mich jetzt übergeben. Vielleicht habe ich mir von dem Satz schon den Norwalk Virus eingefangen, noch bevor ich das Schiff überhaupt betreten habe.
Heute halte ich erstmals einen Vortrag auf einem Schiff. In Potsdam. Da die Firma, für die ich das mache – meine alte Firma aus Chicago – einen Dress Code hat, musste ich mir extra neue Sachen kaufen. Eigentlich ist der Vortrag deshalb finanziell ein Nullsummenspiel, allerdings werde ich hoffentlich noch viel für sie arbeiten, und dann amortisiert sich so ein Hosenanzug schnell. Eher beunruhigt mich folgende E-Mail: "As you may have heard already, the ship has had a virus for about 2 weeks and many pax from the previous cruise were getting very ill. It may have been the Norwalk virus. The group prior to ours was disembarked one day early so the ship could undergo a major cleaning and sanitation. I hope that this will not affect our groups." Ich hoffe, ich fange mir heute auf dem Schiff nichts ein.
Der Exmann musste sich beim Job Center melden, und ich begleitete ihn zum Übersetzen in die Sickingenstraße. Kaum hatten wir eine Wartenummer gezogen, stürmten zwei Polizisten herein, im Schlepptau einen Bediensteten des Amtes, der am Empfang arbeitet. Er sah über alle Wartenden hinweg, erspähte einen jungen Mann, zeigte auf ihn (der junge Mann saß – das war sein Schicksal in diesem Moment – mit dem Rücken zum Geschehen), und dann liefen die Polizisten zu diesem Mann und nahmen ihn fest. Ob die Bediensteten am Empfang eine Liste mit gesuchten Personen haben? Wenn polizeilich gesucht, sollte man sich wohl besser nicht beim Job Center melden. Vor dem Job Center bewarben übrigens Billigstromanbieter ihre Dienste und prahlten mit jedem gesparten Cent.
In meiner Bürogemeinschaft sind alle Entscheidungsprozesse schwere Geburten. Gerade wird darüber debattiert, ob eine ehemalige Mieterin, die aber schon seit Ende 2007 keine Miete mehr zahlt, in unserem Gemeinschaftsraum noch einmal im Monat ihre Gender-Meetings abhalten können soll. Die Gender-Meetenden sind immer ziemlich laut, es klingelt die ganze Zeit an der Tür, und sie verstopfen immer die Küche, in der man dann als tatsächliche Mieterin auch schon mal von Unbekannten gebeten wird, doch bitte später seinen Kaffee zu kochen. Nun ist die Frage, ob das wirklich noch sein muss, und darüber kann man wahrlich unterschiedlicher Meinung sein. Lustigerweise wird bei jeder anstehenden Entscheidung auch wieder darüber gesprochen, wie man Beschlüsse denn nun fällen will: Mehrheitsvotum mit Vetorecht, oder doch anders? Das große Ächzen der Basisdemokratie.
Demnächst werde ich dann viel Zeit im Marriott Hotel am Potsdamer Platz verbringen. Bin schon wieder so involviert, dass ich beim Schreiben die alten Abkürzungsformeln benutze: "Will meet w/ Maika next week…" Es war mir noch nie klar, warum man ausgerechnet das kurze Wort with abkürzen soll, zumal man sich mit dem Slash gerade noch mal das th spart. Aber irgendwie mache ich das gerne, w/ schreiben.
"Als Freiberuflerin hat sie Zeit, mit ihrem Hund zu spielen." Was für ein Satz unseres vielgerühmten Qualitätsjournalismus. Man sollte sich diesen Satz merken, man sollte ihn sich aufschreiben und über sein Bett, seinen Schreibtisch und laminiert in die Dusche hängen. Vielleicht auch noch in den Kühlschrank legen. Auch als Desktop-Hintergrund oder Bildschirmschoner in verschiedenen Variationen, Größen und Farben würde sich dieser Satz gut machen. Er sollte mein neuer Leitsatz sein, auch wenn ich keinen Hund habe, er drückt so schön dieses lockere, unabhängige, easy-going Lebensgefühl aus. Die neue Leichtigkeit. Ein Satz, den man am Ende sogar auf einen Grabstein meißeln könnte: "Als Freiberuflerin hatte sie Zeit, mit ihrem Hund zu spielen."
Tschuldigung, ich glaube, ich muss mich jetzt übergeben. Vielleicht habe ich mir von dem Satz schon den Norwalk Virus eingefangen, noch bevor ich das Schiff überhaupt betreten habe.
wasweissich - 19. Apr, 15:17
