sei berlin. be berlin.

Heute vermelden Zeitungen und Radio den neuen Slogan der Imagekampagne für Berlin: "Sei Berlin", international "Be Berlin." (Wie kreativ: aus dem Satz "Du bist Deutschland" einen Imperativ machen und Deutschland durch Berlin ersetzen.) "Offiziell noch streng geheim: Mit dem Slogan "be berlin" will der Senat für die Hauptstadt werben." Angeblich noch geheim, weil die Kampagne erst am 11. März von Wowereit vorgestellt wird.

Interessant nur, dass im November 2007 schon in einem Zeitungsartikel zu lesen war, dass die Slogans durch die Hamburger Kanzlei White & Case angemeldet wurden, inklusive aller Domains. Hm? Was ist daran jetzt so neu und geheim? Und warum wird das ganze erst am 11. März "präsentiert", wenn es schon über vier Monate läuft?

Der Senat hat laut Angaben in diesem Artikel zunächst für 200.000 Euro eine Marktforschung bei Infratest dimap in Auftrag gegeben. "Demnach ist das Image Berlins im Ausland noch wenig ausgeprägt." Muss man für diese Erkenntnis wirklich 200.000 Euro ausgeben? Da kann man Leute aus der Tourismusbranche befragen, die können einem das auch mitteilen: nicht ohne Grund ist es in den USA so schwer, Reisen nach Berlin in die Produktentwicklung von Tour Operatorn einzubinden. Weiter heißt es zur Studie: "Im Ausland gilt Berlin selbst nicht als kreativ und lebenslustig, sondern mehr als kompetent und arbeitsam." Das halte ich wiederum für sehr fragwürdig. Ich arbeite für vier verschiedene Reiseveranstalter und betreue jedes Jahr viele Reisende nach Berlin, die am Ende ihrer Reise u.a. ausführliche Bewertungsbögen ausfüllen. Nach unseren Ergebnissen hat die Wahrnehmung von Berlin in den letzten zwei Jahren schon einen deutlichen Wandel vollzogen. Die Reisenden berichten von Artikeln und Reportagen über Berlin, die sie zur Buchung der Reise bewogen haben; besonders viele haben davon gelesen und gehört, dass Berlin eine künstlerisch sehr interessante, eine kreative Stadt sei, eine Stadt im Wandel, in der sich historische Sehenswürdigkeiten mit ganz neuer Energie paaren. Diese Berichte (u.a. "New York Times") haben die Menschen bewogen, sich Berlin selbst einmal anzusehen.

Natürlich kann man versuchen, die Wahrnehmung von Berlin als einer besuchenswerten Stadt auszudehnen, aber warum man zuerst 200.000 Euro für diese Studie ausgeben muss, ist mir schleierhaft. Der Preis ist auf jeden Fall viel zu hoch. Nur ein weiteres Beispiel, wie der Senat Geld für Unsinn verpulvert (aber das habe ich ja zur Genüge selbst mitbekommen, als ich für den Senat gearbeitet habe; der Filz dort scheint unentwirrbar).

10,6 Millionen Euro sollen nun in die Kampagne gesteckt werden. (Ein wehmütiger Gedanke, wie viele Schulhelfer man dafür lange, lange Zeit beschäftigen könnte!) Wenn man aber nun also Geld dafür ausgeben möchte, die touristische Attraktivität Berlins zu erhöhen, sollte man vor allem versuchen, ausländische Medien dazu zu bringen, über Berlin zu berichten.

Ich bin gespannt, ob ein Teil der Millionen sinnvoll verwendet wird. Bisher macht es leider nicht den Eindruck, denn auf der Website "Be Berlin" ist zu lesen, dass die ach-so-geheime Kampagne anscheinend sogar schon angelaufen ist, und die ersten Beispiele sind alles andere als vielversprechend: "Unter den Dachmarken entstanden bereits zahlreiche Projekte wie das 48 Hour Film Festival Berlin aber auch eine Modelinie für Berlin Loves You."
Edit: möglicherwweise gar nicht Teil der Kampagne? Aber wie komisch wäre das denn: man sucht sich einen Slogan aus, der schon anderweitig benutzt wird?

(Muss so viel Geld für Stadtwerbung ausgegeben werden oder würde die Stadt nicht viel aussagekräftiger kostenlos für sich selbst werben, wenn sie ihre bedürftigen Mitbürger gut versorgt?)

[Ich habe erstmal einen Urlaub gebucht, eine Woche Spanien in den Osterferien, vielleicht hilft das diesem Jahr auf die Sprünge.]

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