Elle s'appelle Sabine.
Die bekannte französische Schauspielerin Sandrine Bonnaire, die dieses Jahr auch Mitglied der Berlinale-Jury ist, hat eine autistische Schwester: Sabine. Ihretwegen hat Sandrine Bonnaire die Seiten zur Regie gewechselt und über die Schwester einen Dokumentarfilm gedreht. In diesem Film verwertet sie immer wieder Filmmaterial, das sie über 25 Jahre hinweg im Urlaub gedreht hat, so mischt sich das Porträt der Jetztzeit – die Schwester ist 38 Jahre alt und lebt in einer betreuten Wohngruppe – mit vielen Rückblenden persönlicher Familienerinnerungsaufnahmen.
In jungen Jahren scheint Sabine noch erstaunlich wenig beeinträchtigt, aber die Situation wurde immer schwieriger, Sabine aggressiver, die ganze Familie kapitulierte nach und nach in der Betreuung. Sogar der Versuch Sandrine Bonnaires, für ihre Schwester eine Wohnung gegenüber der eigenen anzumieten, und zwei Krankenschwestern für ihre Pflege anzustellen, scheiterte: schon nach kurzer Zeit kündigten die beiden Pflegerinnen. Im Alter von 28 Jahren wurde Sabine darum in die Psychiatrie eingewiesen, wo sie fünf Jahre lang lebte. In diesen fünf Jahren hat sie sehr vieles verlernt, 30 kg zugenommen, praktisch aufgehört zu sprechen, und war anscheinend mit immensen Mengen an Medikamenten ruhiggestellt worden. Die Familie sah, dass die Psychiatrie nicht gut war, aber sie hatte keine andere Lösung, denn alle Einrichtungen, die sie finden konnten, lehnten eine Aufnahme von Sabine ab. Nach etwa vier Jahren entdeckte Sandrine Bonnaire ein Haus, das ihr nicht nur gefiel, sondern das Sabine theoretisch auch nehmen könnte, allerdings war kein Platz frei. Schon lange wollte der Leiter ein neues Haus eröffnen, aber es mangelte immer an der Finanzierung. Sandrine Bonnaire setzte ihren Ruhm und der Leiter seine Resourcen und Energie in den Aufbau einer neuen Gruppe. Nach etwa einem Jahr stand die Finanzierung und Sabine konnte von der Psychiatrie in die neue Gruppe wechseln. Die seither betreuende Psychiaterin arbeitete geduldig daran, Sabines Vertrauen wieder aufzubauen, sie aus ihrer Zurückgezogenheit zurück ins Leben zu holen, die Medikamente zu reduzieren.
In der Jetztzeit sieht man eine erwachsene Frau, die dem Mädchen von einst zwar immer noch in keinster Weise gleicht, die aber auf einem guten Weg scheint. Auch die anderen Bewohner werden porträtiert, und was das Schönste an dem Film ist: er betreibt weder Panikmache noch Schönfärberei. Krisen und schwierige Situationen finden genauso ihren Platz wie glückliche und teils auch sehr lustige Momente. Am Ende bleibt dennoch der Eindruck des tiefen Einschnitts, den die Unterbringung in der Psychiatrie bedeutete.
Sandrine Bonnaire war selbst anwesend und beantwortete nach dem Film viele Publikumsfragen. Sie erzählt von Schuldgefühlen, aber auch von der Ausweglosigkeit. Die Gedanken ihrer Familie, man hätte Sandrine nie in die Psychiatrie geben dürfen, kollidieren mit dem unumstößlichen Wissen, dass alle Alternativen vorher ausgeschöpft worden waren, und es keine andere Lösung gab. Der Fehler liegt nicht bei der Familie, sondern bei den Defiziten in der Behindertenbetreuung, sagt sie. Aber die Schuldgefühle bleiben. Sie hatte schon lange einen Film über ihre Schwester drehen wollen, verwirklichte diesen Wunsch aber erst, nachdem sie als Patin einer zweitägigen Autismus-Veranstaltung viele ähnliche Erfahrungsberichte gehört hatte, die teilweise noch viel tragischer verlaufen waren. Ihr wurde klar, dass etwas getan werden muss, und dass sie mit einem Film über ihre Schwester vielleicht etwas erreichen kann. Bonnaire schrieb an Sarkozy, mit der Bitte, sich den Film anzusehen. Dies tat er und vermittelte sie weiter an den Sozialminister. Dem legte sie die Bedürfnisse dar, und nun soll an einem Ausbau der Betreuungsangebote gearbeitet werden. Noch kann sie nicht sagen, was dabei wirklich herauskommt, aber sie hat Hoffnung, dass sich etwas tut.
Bleibt der utopische Wunsch, dass man solche Filme irgendwann nicht nur in einer einmaligen Vorstellung auf einem Filmfestival sehen kann, sondern auch endlich mal publikumswirksam, zu einer guten Zeit auf einem prominenten Fernsehsender, zum Beispiel. Sowas hätte man ja gerne mal für seine GEZ-Gebühren.
In jungen Jahren scheint Sabine noch erstaunlich wenig beeinträchtigt, aber die Situation wurde immer schwieriger, Sabine aggressiver, die ganze Familie kapitulierte nach und nach in der Betreuung. Sogar der Versuch Sandrine Bonnaires, für ihre Schwester eine Wohnung gegenüber der eigenen anzumieten, und zwei Krankenschwestern für ihre Pflege anzustellen, scheiterte: schon nach kurzer Zeit kündigten die beiden Pflegerinnen. Im Alter von 28 Jahren wurde Sabine darum in die Psychiatrie eingewiesen, wo sie fünf Jahre lang lebte. In diesen fünf Jahren hat sie sehr vieles verlernt, 30 kg zugenommen, praktisch aufgehört zu sprechen, und war anscheinend mit immensen Mengen an Medikamenten ruhiggestellt worden. Die Familie sah, dass die Psychiatrie nicht gut war, aber sie hatte keine andere Lösung, denn alle Einrichtungen, die sie finden konnten, lehnten eine Aufnahme von Sabine ab. Nach etwa vier Jahren entdeckte Sandrine Bonnaire ein Haus, das ihr nicht nur gefiel, sondern das Sabine theoretisch auch nehmen könnte, allerdings war kein Platz frei. Schon lange wollte der Leiter ein neues Haus eröffnen, aber es mangelte immer an der Finanzierung. Sandrine Bonnaire setzte ihren Ruhm und der Leiter seine Resourcen und Energie in den Aufbau einer neuen Gruppe. Nach etwa einem Jahr stand die Finanzierung und Sabine konnte von der Psychiatrie in die neue Gruppe wechseln. Die seither betreuende Psychiaterin arbeitete geduldig daran, Sabines Vertrauen wieder aufzubauen, sie aus ihrer Zurückgezogenheit zurück ins Leben zu holen, die Medikamente zu reduzieren.
In der Jetztzeit sieht man eine erwachsene Frau, die dem Mädchen von einst zwar immer noch in keinster Weise gleicht, die aber auf einem guten Weg scheint. Auch die anderen Bewohner werden porträtiert, und was das Schönste an dem Film ist: er betreibt weder Panikmache noch Schönfärberei. Krisen und schwierige Situationen finden genauso ihren Platz wie glückliche und teils auch sehr lustige Momente. Am Ende bleibt dennoch der Eindruck des tiefen Einschnitts, den die Unterbringung in der Psychiatrie bedeutete.
Sandrine Bonnaire war selbst anwesend und beantwortete nach dem Film viele Publikumsfragen. Sie erzählt von Schuldgefühlen, aber auch von der Ausweglosigkeit. Die Gedanken ihrer Familie, man hätte Sandrine nie in die Psychiatrie geben dürfen, kollidieren mit dem unumstößlichen Wissen, dass alle Alternativen vorher ausgeschöpft worden waren, und es keine andere Lösung gab. Der Fehler liegt nicht bei der Familie, sondern bei den Defiziten in der Behindertenbetreuung, sagt sie. Aber die Schuldgefühle bleiben. Sie hatte schon lange einen Film über ihre Schwester drehen wollen, verwirklichte diesen Wunsch aber erst, nachdem sie als Patin einer zweitägigen Autismus-Veranstaltung viele ähnliche Erfahrungsberichte gehört hatte, die teilweise noch viel tragischer verlaufen waren. Ihr wurde klar, dass etwas getan werden muss, und dass sie mit einem Film über ihre Schwester vielleicht etwas erreichen kann. Bonnaire schrieb an Sarkozy, mit der Bitte, sich den Film anzusehen. Dies tat er und vermittelte sie weiter an den Sozialminister. Dem legte sie die Bedürfnisse dar, und nun soll an einem Ausbau der Betreuungsangebote gearbeitet werden. Noch kann sie nicht sagen, was dabei wirklich herauskommt, aber sie hat Hoffnung, dass sich etwas tut.
Bleibt der utopische Wunsch, dass man solche Filme irgendwann nicht nur in einer einmaligen Vorstellung auf einem Filmfestival sehen kann, sondern auch endlich mal publikumswirksam, zu einer guten Zeit auf einem prominenten Fernsehsender, zum Beispiel. Sowas hätte man ja gerne mal für seine GEZ-Gebühren.
wasweissich Epilepsie & Autismus - 12. Feb, 16:16

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