...

"Denn es stimmt eben doch nicht, dass man nicht kaputtgeht geistig, wenn man einfach überall automatisch nur noch mitmacht bei dem, was Kommerz, Propaganda, Boulevard an einen so herantragen, bei der hysterisch pumpenden Wachstumsparty."

(Siehe auch: Franzen-Zitat von gestern. Den ganzen Essay-Band "How to be alone" hat er aus eben diesem Grund geschrieben, wie er in der einleitenden Bemerkung erklärt: "The local particulars of content matter less to me than the underlying investigation in all these essays: the problem of preserving individuality and complexity in a noisy and distracting mass culture: the question of how to be alone.")
blogschrift (anonym) - 23. Nov, 14:44

Ob die Tätigkeit des Bücherschreibens dem Alleinsein förderlich ist?

Und da hätte ich doch fast geschrieben "die Tätigkeit des Blogschreibens"...

Jedenfalls: Mir kommen solche Zitate auch immer wieder wie eine Attitüde von bloßen Marionetten des Kulturbetriebes vor. Ist es nicht etwas verwegen, aus der Position eines Starautors heraus, dessen Gesicht tausende von Menschen kennen, der für seine Bücher auf Tour gehen muß, in Talkshows dummes Zeug sagen und anhören muß, dessen Foto millionenfach auf Büchern prangt (das Prangen an sich ist übrigens ein unterbewertetes Wort) und der wahrscheinlich auch im Fernsehen auftritt, wenn der über die Frage des Alleinseins reflektiert?

Und verhält es sich nicht ebenso mit dem ewigen Rumgenöle über die ach so kaputtmachende Teilnahme am Kulturbetrieb (Kommerz, Propaganda, Boulevard, hysterisch pumpende Wachstumsparty). Sind das nicht auch nur ästhetisiert leidende Kulturdandys, denen nichts Besseres einfällt als die Pose des leidenden Kulturträgers?

Denn: Jedes Gerät hat einen Ausschalter, jede Party einen Ausgang, jedes Land einen Flughafen und es gibt noch ne Menge 'Funklöcher' in dieser Welt. Jeder kann ein Bartleby sein.

Man liest vielleicht einfach nicht von denen, die längst aus dem lärmenden Raum 'ins Freie' getreten sind.

wasweissich - 25. Nov, 12:01

Es können ja nicht 80 Millionen Menschen in irgendein Funkloch ziehen. Ganz abgesehen von allen anderen Sachen, die dagegen sprechen, ist das ja auch eine Identitätsfrage. Und dass jedes Gerät einen Ausschaltknopf hat, ist zwar wahr, aber ich muss zugeben, dass ich den manchmal auch schwer finden kann. Ich habe schon alles mögliche probiert (kein Fernseher - aber dann vermisste ich die Möglichkeit, Filme sehen zu können; Fernseher unter den Schreibtisch stellen, damit man ihn jedes Mal umständlich hervorkramen muss - aber damit eine größere Bewusstheit der Nutzung zu erzeugen, schlug auch irgendwie fehl...), aber letztlich ist die Beeinflussung und Prägung einfach nie eine leichte Frage und darf daher meinetwegen ruhig ausführlich überdacht werden.

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