The sidewalk is for ladies

Las ich kürzlich wirklich in der Zeitung, die Berliner Polizei habe zu viel zu tun und brauche deshalb mehr Personal? Das muss ich wohl geträumt haben, denn wenn ich mit dem Fahrrad die Brunnenstraße entlangfahre, bei einer Baustelle etwa fünf Meter des Fahrradwegs abgesperrt sind, ich also einen minimalen Schlenker über den Gehweg fahre, um genau dahinter von vier, ich wiederhole: vier Polizisten abgefangen zu werden, weil ich ein paar Millisekunden auf dem Gehweg fuhr, und wenn ich dann sehe, dass auf der gegenüberliegenden Straßenseite ebenfalls eine kleine Absperrung ist, hinter der ebenfalls vier Polizisten auf der Lauer liegen, und wenn man mir dann fünf Euro Bußgeld abknöpft, dann kann ich nicht anders, als zu überlegen, wieviel Gehalt acht Polizisten in der Stunde kosten und wieviele Fahrradfahrer in dieser Stunde dingfest (unnötig kriminalisierendes Vokabular, argh, aber egal) gemacht werden müssen, um zumindest diese Verschwendung von Steuergeldern aufzuwiegen, ganz abgesehen davon, dass mir dann auch die Frage nicht aus dem Kopf geht, ob es in Berlin wirklich keine dringlichere Aufgabe der Polizei gibt, als in zwei Vierergruppen einzelne Fahrradfahrer zu bedrängen, mir geht da eine Redewendung durch den Kopf, in der Spatzen und Kanonen vorkommen, dann also muss ich unweigerlich annehmen, dass die ernstzunehmende Kriminalität in Berlin auf einem all-time low sein muss, also warum mehr Personal? Nebenbei bemerkt: ein weiteres, allerdings weniger erfreuliches, all-time low ist in der urbanen Ästhetik zu kommentieren. Ja, ich habe nun auch endlich das fleischfarbene Monster am Alexanderplatz gesehen. Der Name Alexa, eine Mischung aus Frauenzeitschrift (Allegra) und Fitness-Studio (Elixia), klingt zunächst weiblich, und dann diese Fleischfarbe, also vielleicht eine sexuelle Konnotation? Unwahrscheinlich, denn das Gebäude wirkt nicht vaginal und der Name wird als Neutrum verwendet (man beachte, wie das gleich ein bisschen abfällig klingt: "das Alexa"). Wenn man ein Gebäude niemals betreten wollte, dann dieses. Alexig könnte das Komplementäradjektiv zu einladend werden. Aber ein Einkaufszentrum, ach, was solls, sagen wir in diesem Fall ruhig Konsumtempel, ein Konsumtempel also, dessen Ästhetik dazu auffordert, ihn nicht zu betreten, über dieses ironische Statement der Architekten könnte ich an einem wohlwollenden Tag im Vorbeifahren (auf dem Fahrradweg selbstverständlich) vielleicht ein paar Millisekunden schmunzeln, aber leider ist das Ding here to stay, und das ist dann doch nicht lustig.

(Der Exmann kann auch nach zwei Monaten Berlin kaum besser Deutsch. Als Ausrede behauptet er alternativ: "They all speak English anyway" und: "It's much more interesting that way." Letzteres hielt ich für eine pure Schutzbehauptung, muss diese Annahme aber seit der Begegnung mit den Polizisten in der Brunnenstraße revidieren. Der Exmann verstand nämlich gar nicht, was die überhaupt wollten und da erklärte ein Polizist: "The sidewalk is for ladies, not for bicycles.")

["What about a lady on a bike?"
"A man on the sidewalk? Triple the fine!"]
kid37 - 28. Sep, 18:15

Man scheint neuerdings in der Hauptstadt sehr aufmerksam. Polizisten halten die Bürgersteige für Damen frei, streuen womöglich Blumen, wenn Kinder vorbeieilen oder bringen entsprungene Fußbälle mit einem nachsichtigen Lächeln zurück. Sicherlich standen dort nur so viele Polizisten in Erwartung alter Mütterlein, denen sie die zusammenalexierten Einkäufe nach Hause tragen helfen. Ach Berlin, wie wunderbar.

Wolf (anonym) - 3. Okt, 14:29

zuviel Staatsbedienstete in Berlin …

… und zuviel Psychopathen in der Bundesregierung? Man(n) hat nach dem versuchten Besuch der Buden zwischen Brandenburger Tor und Goldelse den Eindruck, dass die alle verrückt geworden sind. Kontrollen der Taschen und Rucksäcke, selber anfassen dürfen sie angeblich nicht, also abschnallen und aufmachen … die sehen nix, da könnte ich eine Atombombe reinschmuggeln, die sind so blind, dass es weh tut. Erst der Schily und jetzt gibt uns Bundesschäuble den Rest. Soviel Polizisten wie heute habe ich seit langem nicht mehr gesehen. Und ich hätte auf den Anblick gerne verzichten können.

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