Auf Schulsuche für ein schwer autistisches Kind (Eine Farce in unbekannt vielen Akten)

Nachdem John letztes Jahr von der Schulpflicht zurückgestellt wurde, damit er noch ein Jahr von der intensiven Frühförderung in der Kita der "Hilfe für das autistische Kind" profitieren kann, musste ich ihn jetzt für nächstes Jahr, also August 2007, zur Schule anmelden. Anmelden ist leicht: das macht man einfach an der nächsten Grundschule. Eine Schule zu finden ist ungleich schwieriger. Naheliegend ist das Folgeprojekt des Vereins. Da gibt es zwei Schulgruppen: eine im ehemaligen Ostberlin (Prenzlauer Berg) und eine im ehemaligen Westberlin (Wilmersdorf). Wir wohnen im Wedding, also ehemals Westen; da aber Wedding nach der Reform der Stadtbezirke nun zu Mitte gehört, also ehemals Osten, ist für uns nun die Ostschule im Prenzlauer Berg zuständig. Was schon einmal nicht so toll ist, denn John ist in der West-Frühfördergruppe (Friedenau), und die Projekte bauen eigentlich aufeinander auf und die Ostschule ist anders strukturiert, sie untersteht auch nicht komplett dem Verein. Nun, so weit so ungünstig für uns.

Als ich im September in der Schule im Prenzlauer Berg anrief, um einen Besichtigungstermin zu vereinbaren, wurde mir mitgeteilt, dass das nicht so einfach möglich sei, man könne schließlich nicht ständig irgendwelche Eltern da durchführen, deren Kinder womöglich gar nicht für diese Schule in Frage kämen. Ich erklärte, dass mein Sohn bereits in der Frühfördergruppe des Vereins ist und seine "Qualifikation" daher schon klar sei, aber man ließ sich nicht erweichen. Ich solle zuerst mit der zuständigen Ambulanzlehrerin sprechen, ich sei ja auch etwas früh dran. Das fand ich komisch, denn in anderen Schulen konnte ich bisher problemlos mit den Schulleitern sprechen und Termine abmachen. Ich teilte mein Problem Johns Bezugsbetreuer in der Kita mit, der das auch nicht verstand, seinerseits in der Schule anrief, und mich dann zurückrief, ich könne jetzt doch einen Termin zur Besichtigung bekommen. Zwischenzeitlich hatte aber die Ambulanzlehrerin, die für Johns Schulzuordnung zuständig ist, einen Gesprächstermin mit mir ausgemacht und so ging ich zuerst zu ihr.

Sie teilte mir mit, dass in der Ostschule im nächsten Jahr nur ein Platz frei werde, sie aber viele autistische Kinder zu vermitteln habe. Aufgrund der Struktur der Gruppe schlug sie vor, dass John vielleicht besser in eine andere Schule passt. Das war zunächst natürlich sehr vage. Struktur der Schulgruppe? Laut Vereinsaussagen sind die beiden Schulprojekte extra für die Kinder ins Leben gerufen worden, deren Beeinträchtigung so stark ist, dass sie anders nicht beschulbar sind. John fällt definitiv unter diese Kategorie. Nun hatte ich aber auch schon gehört, dass man in den letzten Jahren dazu übergegangen war, sich verstärkt nicht so stark beeinträchtigte Kinder in die Schulen zu holen.

Die Ambulanzlehrerin schlug für John eine Schule für geistig Behinderte vor. Die Kinder aus meinem Viertel wurden in den vergangenen Jahren immer in eine GB-Schule in Charlottenburg geschickt. Diese Schule hat 130 Schüler. Die Ambulanzlehrerin hatte John schon in der Frühfördergruppe besucht und beobachtet und wenigstens konnte sie meinen Einwand verstehen, dass er in einer Schule mit so vielen Kindern nicht zurechtkommt. John hat überhaupt nicht gerne andere Kinder um sich, natürlich soll er das zwar auch lernen, aber das kann man ihm nicht mit dem Holzhammer beibringen, indem man ihn einfach in eine Riesenschule steckt. John reagiert schnell mit Auto-Aggressionen oder auch Fremd- und Sachaggressionen. Wenn ich ihn jeden Tag schon mittags oder gar vormittags abholen muss, weil er ausflippt, dann kann ich das Arbeiten vergessen und außerdem ist das sowieso keine gute Lernsituation für ihn.

Es gebe ansonsten eine Schule für geistig Behinderte in Mitte, die ja in unseren Bezirk falle. Zum Glück hatte ich vor dem Gespräch meine Hausaufgaben gemacht und mich über sämtliche Schulen informiert. Diese Schule hat nämlich sogar noch mehr Kinder als die in Charlottenburg. Das konnte ich also sofort einwenden. Es gebe dann noch eine kleine Schule für geistig Behinderte in Pankow, aber die sei immer schon voll mit Kindern aus dem eigenen Bezirk. Das wusste ich schon, leider. Dann gebe es eine Schule für Körperbehinderte, die müsse auch immer ein Kontingent an anderen Kindern aufnehmen und dort seien die Klassen sehr klein. Da wäre John bestimmt gut aufgehoben. "Gut aufgehoben" war – wahrscheinlich unbewusst – genau die richtige Wortwahl der Ambulanzlehrerin. Auf einer solchen Schule ist man nicht speziell für die Erziehung und Förderung von Autisten ausgebildet. Ich suche keinen Platz, an dem John lediglich gut aufgehoben ist. Das auch, aber ich suche auch einen Platz, an dem er optimal gefördert wird. In der Frühfördergruppe klappte das in den letzten Jahren toll. John hat für seine Verhältnisse sehr viele Fortschritte gemacht.

Die nächsten vorgeschlagenen Alternativen lagen dann schon weit entfernt: Potsdam, Lichtenberg und Spandau. Die Schule in Spandau, so meinte die Ambulanzlehrerin, habe gerade ein neues Programm für Autisten, hätte sie gehört, sie wüsste es aber nicht genau, ich könne da mal anrufen. Sie wusste nicht einmal, wo die Schule überhaupt genau ist. Die Schule gehört zu einem evangelischen Stift und befindet sich auf einem großen Gelände mitten in den Feldern, sehr schön, aber janz weit draußen. Ich war letztes Jahr dort auf dem Weihnachtsmarkt und hatte mir in dem Zusammenhang die Anlage angesehen. Nach dem Gespräch rief ich gleich in Spandau an, erreichte niemanden, probierte am nächsten Tag erneut, erreichte wieder niemanden und am dritten Tag sprach ich mit der sehr netten Schulleiterin, die mir aber mitteilte, dass es gar kein neues Programm für Autisten gebe. Und nach meiner Beschreibung von John sagte sie, sie könne sich nicht vorstellen, dass ihre Schule richtig für ihn sei. Ich könne aber gerne mal vorbeikommen und mir die Schule und die anderen Kinder ansehen.

Wollte ich also als Schulorte nicht das äußerste Ende von Lichtenberg oder gar Potsdam – beide vermutlich bis zu anderthalb Stunden Fahrtzeit pro Weg, also bis zu drei Stunden Fahrt am Tag für John – so fiel ich in meiner Wahl doch wieder auf die Schulen des Vereins zurück. Ich rief also endlich doch in der für uns zuständigen Schule in Prenzlauer Berg wegen eines Besichtigungstermins an. Mittlerweile schreiben wir in dieser Chronik den nächsten Monat, Oktober. Zuerst sprach ich mit einer Praktikantin. Die druckste rum und holte dann einen Mann an den Apparat. Der gab mir wieder die Leier, man könne da nicht einfach vorbeikommen. Ich erklärte, das habe Johns Bezugsbetreuer aus der Frühfördergruppe schon mit jemandem bei ihnen abgesprochen, daraufhin holte er eine Frau an den Apparat. Die gab mir wieder dieselbe Leier zum Besten (lernen die das da auswendig?), ich gab wiederum meine Leier zum Besten und nach einem fünfzehnminütigen Gespräch erhielt ich für Anfang November einen Termin. Zunächst sollte es ein Dienstag sein, dann hieß es aber, das sei schlecht, weil an dem Tag die Teambesprechung sei und so einigten wir uns auf Donnerstag Morgen um 10:30 Uhr. Ich war ja so glücklich.

Ein paar Tage später telefonierte ich mit Johns Bezugsbetreuer in der Kita, da fragte er mich: "Hat man Ihren Termin in der Schule eigentlich verschoben? Eine unserer Erzieherinnen hat heute in der Schule hospitiert und ihr hat man erzählt, sie würden jetzt am Dienstag um 14 Uhr kommen und sogar John mit in die Schule bringen?" Davon hatte ich noch gar nichts gehört. Ich hatte extra gesagt, dass ich mir die Schule ohne John ansehen wollte, weil ich sonst nur hinter ihm herlaufen müsse und gar keine Zeit hätte, mir die Räume und die Kinder wirklich anzusehen. Außerdem musste ich am Dienstag um 14 Uhr arbeiten.

Ich rief also in der Schule an, wo mir die Frau, mit der ich den Termin abgemacht hatte, säuerlich sagte, ja, der Termin sei verschoben, ich solle die Ambulanzlehrerin anrufen. Ich rief also die Ambulanzlehrerin an, die bestätigte, dass sie diese Änderung vorgenommen habe und mich noch hätte anrufen wollen. Ich erklärte ihr also wieder das, was ich der Schule ursprünglich erklärt hatte und was eigentlich augenscheinlich sein sollte: dass ich John unmöglich zu so einem Termin mitnehmen kann. Das sind doch alles Leute, die sich angeblich mit Autisten auskennen? Okay, lenkte sie ein, also ohne Kind. Und dann eben nach der Arbeit, um 14:30 Uhr. Ich fragte, was das alles denn überhaupt solle und erhielt als Antwort zunächst, dass es am Dienstag besser passe, weil da sowieso Teambesprechung sei. Ich sagte, das sei ja komisch, denn ursprünglich sei genau das der Grund gewesen, warum der Dienstag der Schule nicht gepasst hat. Ausweichargument der Ambulanzlehrerin war dann, dass um die Zeit einige Kinder schon weg seien und einige abgeholt würden. Dann wäre mein Auftauchen nicht so eine Belastung für die Kinder; morgens seien sie ja in ihrem normalen Schulalltag und da wäre das eine zu große Belastung. Das leuchtete mir nicht ein, denn in Johns Kita kommen auch Menschen und die Kinder sind noch viel kleiner. Außerdem ist nicht gerade von einem Besucheransturm auszugehen. Am Ende kam dann raus, dass die Ambulanzlehrerin selbst an dem Tag auch in der Schule ist – vermutlich wollte sie einfach dabei sein. Ich hätte ja kein Problem damit, wenn man mir so etwas sagt, aber dieses ewige Gedruckse, diese offensichtlichen, schwachen Ausreden und fadenscheinigen Vorwände sind sehr frustrierend.

Nach dem Gespräch überlegte ich mir, dass dieser Termin ja fast nichts bringt, wenn die Kinder nicht da sind. Ich rief sie also noch einmal an und brachte ganz klar mein Bedauern zum Ausdruck, dass ich die Kinder und den normalen Schulalltag nicht sehen darf. Ich kenne meinen Sohn sehr genau und ich kann sehr gut einschätzen, wie er auf welche Kinder reagiert. Wie gut oder schlecht diese Schule für ihn ist, kann ich doch gar nicht beurteilen, wenn man es mir vorenthält, die Kinder zu sehen. Außerdem ist das in keiner der anderen Schulen der Fall gewesen. Die Ambulanzlehrerin verteidigte das damit, dass in den Schulen für geistig Behinderte ja auch nicht nur Autisten sind und es deshalb dort leichter möglich sei, die Schulen mit Kindern zu zeigen. (Aber von mir zuerst wollen, dass ich John mitnehme...) Sie sagte dann noch, ich sei die erste Mutter, die überhaupt dieses Jahr die Schule besuchen dürfe. Als ob mich das nun besonders ehren könnte. Ganz im Gegenteil, darauf konnte ich nur entgegnen, dass ich dann noch weniger verstehe, warum das Ganze so schwierig ist. Wenn sehr viele Eltern kommen, ist klar, dass man das verteilen muss. Aber wenn ich sogar die Erste bin? Darauf wusste sie wieder nichts zu sagen, änderte den Termin aber nicht. Das Ganze nahm mittlerweile kafkaeske Züge an.

Ich wurde das Gefühl nicht los, dass man irgendetwas verheimlichen oder verstecken wollte, auf jeden Fall wurde nicht mit offenen Karten gespielt. Am vereinbarten Termin kam ich deshalb absichtlich etwas früher an. Aus Zufall verlief ich mich dann auch noch. In dem Raum, in dem ich ankam, fand gerade eine Einzelsituation mit einem Jungen statt. Der Junge sprach absolut perfekt, freute sich, mich zu sehen und redete richtig mit mir. Seine Beeinträchtigung kann man durchaus als unvergleichbar mit der von John klassifizieren. Oha. Wir gingen dann gemeinsam runter in den Hauptbereich, wo gerade ein Junge im Flur stand.

Er kam gleich zu mir gelaufen und fragte mich: "Bist Du die Frau von der Party?"
Ich: "Nein, welche Party denn?"
Er: "Wir haben da draußen vor dem Fenster eben eine Party gesehen!"
Ich: "Da war ich aber nicht. Ich bin hier, weil ich mir Eure Schule angucken möchte."
Er: Oh, dann bist Du Dominiks Mama?"
Ich: "Nein, ich bin Johns Mama. Aber John geht hier noch gar nicht auf die Schule, er geht noch in den Kindergarten."
Er: "Kannst Du meine Jacke zumachen?"
Die Erzieherin: "Ich mach das schon."
Er: "Nein, das soll die Tante machen."
Ich – knie mich hin und mache seine Jacke zu.
Er – sieht mir direkt in die Augen, lacht und sagt: "Du bist echt nett."
Er – sieht hoch zur Erzieherin und sagt: "Die Tante ist echt nett."

Das habe ich so ausführlich wiedergegeben, weil es überaus erstaunlich ist. Ein Autist, mit dem man ganz normal kommunizieren kann, der zu der Abstraktionsleistung fähig ist, sein Gegenüber mit Du anzusprechen und nicht von sich selbst als Du zu sprechen, der einem in die Augen sieht, der ein Gefühl ("die finde ich nett") von sich aus und tatsächlich ganz klar benennen kann und der auch noch das Bedürfnis hat, dieses Gefühl einer anderen Bezugsperson mitzuteilen. Das Niveau war fast das eines normalen Kindes. Wahnsinn. Ansonsten waren alle Kinder weg. Nur zwei von sieben hatte ich gesehen und war baff – und immerhin froh, etwas früher dagewesen zu sein. Von Belastung der Kinder im Übrigen keine Spur, sie haben sich sogar richtig gefreut.

Mir war nicht klar, warum einige Kinder schon so früh weg sind, wenn die Schule bis 15 Uhr geht (wegen des Arbeitens bin ich darauf angewiesen, dass man die Kinder nicht einfach eher nachhause schickt) und so fragte ich nach. Man erklärte mir, einige würden wegen Therapien und Einzelfallhelfern früher abgeholt, prinzipiell gehe es schon bis 15 Uhr. Dann fragte ich, wie viele der sieben Kinder sprechen. Man druckste rum und gab dann zu: in diesem Jahr alle. Das Gespräch mit den Lehrerinnen und Erzieherinnen war ziemlich unentspannt. Sie und ich waren uns nicht sicher in dem, was wir fragten und antworteten, die Ambulanzlehrerin stand dabei und alle blickten ständig zu ihr. Es war keine sehr glückliche Situation. Ich wurde durch die leeren Räume geführt und ging bald wieder. Mit der Ambulanzlehrerin machte ich ab, dass ich mir noch ein paar andere Schulen ansehe und wir uns Mitte Dezember wieder sprechen.

Als nächstes hatte ich einen Termin im Sozialpädiatrischen Zentrum. Eine Neurologin und eine Sozialtherapeutin waren anwesend. Als nach Johns Untersuchungen das Gespräch auf die Schule kam, sagte die Sozialtherapeutin, dass sie die Schule in Charlottenburg für gar nicht John-kompatibel hält. Da war ich erstmal froh, dass sie meine Einschätzung teilt. Dann berichtete sie mir, dass die Klassen in der Schule für Körperbehinderte, von der die Ambulanzlehrerin erzählt hatte, mitnichten klein sind. Sie war vor kurzem in jener Schule gewesen und zwar in einer ziemlich großen Klasse. Die Schule sei bestimmt nichts für John. Als nächstes erzählte sie von einer anthroposophischen Einrichtung in Zehlendorf, die die Ambulanzlehrerin nicht einmal erwähnt hatte. Auf der Reha-Messe hatte ich einen Flyer der Schule mitgenommen, die Schule dann aber wieder aus den Augen verloren. Gut, dass die Sozialtherapeutin mich dran erinnerte. Ich bin zwar skeptisch, was Anthroposophie und Autismus angeht, da die Anthroposophen sehr auf Harmonie bedacht sind, daher mit den Aggressionen bei Autisten oft nicht umgehen können und letztendlich die Kinder dann doch in andere Schulen müssen. Aber ansehen werde ich die Schule natürlich auf jeden Fall. Es gibt ja kaum noch Alternativen. Die Sozialtherapeutin sagte dann, die einzige Schule, die sie uneingeschränkt für ein Kind wie John empfehlen könne, sei die in Fürstenwalde. Davon habe ich schon von unterschiedlichsten Stellen sehr viel Gutes gehört, aber sie liegt in Brandenburg und so weit weg, dass John dort internatsmäßig von Montag bis Freitag bleiben müsste und nur am Wochenende zuhause wäre – und das will ich mit sieben Jahren eigentlich noch nicht.

Immer wieder fallen wir also bisher – am Ende aller Bemühungen, Besichtigungen und unzähliger Telefonate – auf die Schulen des Vereins zurück. Nicht grundlos, denn das sind die Schulen, die für Kinder wie John errichtet worden sind und dafür bekommen sie im Übrigen auch viel Geld vom Senat. Stattdessen nimmt man aber dort in den letzten Jahren Kinder auf, die ich für sehr integrationsfähig in anderen Schulen halte.

Nachdem ich die Alternativen 1) Amok laufen und 2) uns mit dem Auto von der Putlitzbrücke fahren, verworfen habe, muss ich nun weiter den zivilen Weg gehen und habe einerseits Kontakt zu einem Vertreter im Landeselternrat aufgenommen und andererseits die stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Vereins um einen Gesprächstermin gebeten. Wenigstens druckste sie am Telefon nicht lange herum, da kamen endlich ein paar klare Aussagen: Kinder wie John könne man auf Schulen für geistig Behinderte gut beschulen, es seien die Kinder, die eigentlich ein ganz normales Grundschulniveau haben und nur Probleme im sozialen Umgang, die in den Schulen des Vereins gefördert werden müssten. Das ist natürlich eine Ansichtssache. Tatsache ist aber, dass das im Verein nie so intendiert war und auch bis vor relativ kurzer Zeit nicht so ausgeführt wurde.

Da gibt es also so einige Fragen, die ich in meinem Gespräch mit ihr erörtern muss. Woher kommt dieser Umschwung in der Vereinspolitik? Wurde das im Verein offiziell und mehrheitlich als neue Leitlinie verabschiedet? Ist es gegenüber dem Senat auch so kommuniziert worden? (Denn dort sind die hohen Zuschüsse schließlich für die schwierigsten Fälle, für Kinder wie John, bewilligt worden.) Und warum gibt es dann überhaupt noch die Frühfördergruppe, die noch nach dem ursprünglichen Konzept funktioniert? Was sagen andere Eltern dazu? Was ist überhaupt aus einem Verein geworden, der von Eltern für Eltern gegründet wurde? Und wo bleiben jetzt unsere Kinder, für die diese Schulen nicht mehr da sind und für die die GB-Schulen zu groß sind?

Die Ambulanzlehrerin hat mir erzählt, dass die Eltern letztes Jahr erst vier Wochen vor den Sommerferien erfahren haben, welcher Schule ihr autistisches Kind zugeordnet wird. Warm anziehen, es wird Winter.
creezy - 17. Nov, 22:48

Da

kann man nur mit dem Kopf schütteln. Seit ich den Satz gelesen habe „man nehme in den Schulen des Vereins jetzt nur noch sprechende Kinder“ sitze ich hier nur noch mit offenem Mund.

Haben die einen an der Waffel?

Wenn Du mit der Behindertenschule in Charlottenburg die Arno-Fuchs-Schule meinst: ja, da gehen viele Kinder hin, dennoch sind die eigentlichen Klassen nicht groß. Ein Freund von mir arbeitet doch ehrenamtlich seit Jahren als Coach für Musikerziehung. Ich habe dort im Sommer den Zirkus fotografieren dürfen, den die Kinder unter seiner Leitung dort aufgeführt haben. Die Kinder waren großartig und ich konnte kaum glauben in einer Schule für Behinderte zu sein (das ging übrigens nach der Leistung auch vielen Eltern so). Ich weiß von Milton, das dort sehr viele Kinder nicht sprechen können, wenn sie anfangen hinzugehen – was aber meist nach einem Jahr ganz anders aussieht. Ich habe das Gefühl, die Kinder sind dort sehr gut aufgehoben und war vor allem erstaunt wie liebevoll sie dort gefördert werden … also, klar, die Schule ist nicht um die Ecke – aber gibt ihr vielleicht eine Chance. Wenn Du Ansprechpartner brauchst bzw. mal einen Erzieher kontaktieren willst, sage Bescheid oder komme am Sonntag in die kidslounge – und bringt die R.W.-CD mit! ;-) (die Fotos sind übrigens von dem Zirkus)

Mondelfchen - 17. Nov, 22:57

auch ich kann nur fassungslos mit dem kopf schütteln.

ich wünsche euch beiden von ganzem herzen, dass ihr eine gute/geeignete schule finden werdet.

ich kenne mich mit solchen problemen nicht aus, so kann i´ch nichts weiter tun als daumen drücken.

roland - 18. Nov, 15:22

V hatte mir davon schon erzählt, alles der Hammer natürlich, wir müssen uns wirklich dringend treffen...

Bei uns war das ja damals überhaupt kein Problem, sich die Schule anzusehen, es waren auch ein paar Kinder da, von denen mir zumindest ein Mädchen erinnerlich blieb, das mir nun nicht High-functioning" (jetzt mal in der Vekürzung) vorkam.

Wie ist es denn mit dem Monats-Stammtisch, bei dem ich selbst ja noch nicht war, da muss das doch auch hin, oder?

Ich muss mir selbst auch nochmal die Statuten dieses Vereins anschauen, kein Wunder, dass der so einen schlechten Ruf hat (zumindest die Berliner).

japans - 21. Nov, 21:53

Schwierigkeit

Solche Dinge kommen mir manchmal wie die Schwierigkeit der Beweislast vor. In rechtlichen Dingen hat das Problem der, bei dem die Beweislast liegt. In Deinem Fall liegt die Schwierigkeit deswegen auf Deiner Seite, weil Du so etwas wie die "Erfolgslast" trägst. Du bist darauf angewiesen, eine Lösung für Deinen Sohn und Dich zu finden, nicht diese Leute, die Dich nachlässig oder falsch beraten. Darum können sich solche Menschen auch relativ sicher sein: Betroffene wie Du sind mit ihrer "Erfolgslast" so ausgelastet, dass sie kaum Zeit oder Kraft haben, sich wirksam gegen Schlampigkeit zur Wehr zu setzen. Leider, leider bekommt man Respekt oft nicht selbstverständlich, wie es sein sollte. Man muss ihn sich verschaffen und jede Gelegenheit dazu nutzen. Ich wünsch' Dir Glück!

Trackback URL:
http://wasweissich.twoday.net/stories/2947744/modTrackback

Avoid losing your mind

moni.wasweissich[at]web.de

When in doubt, fuck it (Lennon)

Die Phantasie ist ein ewiger Frühling (Schiller)

Suche

 

Archiv

November 2006
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 6 
11
18
25
28
29
30
 
 
 
 

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Status

Online seit 1415 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 25. Nov, 20:24

ABC des Miteinander
Aufgeschnappt
Bilder
Comfort zone
Epilepsie & Autismus
Ertappt
Fernweh & Heimweh
Gelesen & Literatur
Impressionen des Tages
Kryptik
Linktipp
Lyrik (the beat)
Redewendungen
Schatzkiste Buch
Schnappschuss-Erinnerungen
Space oddities
... weitere
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren