Im rudernden Sitztanz durch Berlin
Den Oberkörper vor- und zurückzubewegen und mit den Händen zu flattern sind ja zwei typisch autistische Stereotypien. Seit die neue CD von Robbie Williams auf dem Markt ist, hat John diese Elemente zu einem neuartigen Auto-Tanz kombiniert. John liebte es schon immer, im Auto herumgefahren zu werden und dabei aus dem Fenster zu sehen. Wir sind schon so manche Stunde ziellos durch Berlin gefahren, wenn er schlecht zufrieden war, denn Autofahren ist dann manchmal das Einzige, was ihn beruhigen kann. Auf diese Weise haben wir schon viele kleine Straßen, Ecken und Geschäfte in Berlin entdeckt. Seit ein paar Tagen also läuft nun im Auto die neue Robbie Williams und John hat dazu einen Sitztanz entwickelt: er bewegt seinen Oberkörper vor und zurück, wobei er mit dem Widerstand des Sicherheitsgurtes spielt, und dazu winkelt er die Arme an und zieht die Ellenbogen ebenfalls vor und zurück, was so aussieht, als würde er rudern. Dabei dreht er seine Hände, flattert mit den Fingern und bei Liedern, die ihn rhythmisch besonders ansprechen, schüttelt er noch seinen Kopf dazu (Lieblingslied: Nummer 4, "Bong Bong"). Dabei lacht er und sieht immer wieder höchst zufrieden auf das an seinem Fenster vorbeiziehende Berlin. Gestern konnte ich ihn kaum aus dem Auto bekommen, er will das nun am liebsten den ganzen Tag lang machen, was allerdings weder finanziell erfreulich ist, noch besonders umweltfreundlich.
wasweissich Epilepsie & Autismus - 30. Okt, 09:26
