You can hug the doctor now

Der epilepsiekranke Sohn einer Freundin sollte in Los Angeles einer Gehirn-Operation unterzogen werden. Wochenlang bereitete man die Operation mit zahlreichen Tests vor und sie ergaben alle, dass eine OP funktionieren könnte. Im Zuge dieser Vorbereitungen lernte die Familie den Chirurgen natürlich auch etwas kennen. Dann erfolgte die stundenlange, schwierige OP. Sein Kind in eine schwere Gehirnoperation zu schicken ist natürlich einer der (vielen) Momente, die man eigentlich nie erleben möchte. Als der Chirurg endlich herauskam, erwiderte er ihre bangen Blicke mit dem verschmitzten Satz: "You can hug the doctor now!" Ich finde das irgendwie so schön: eine sehr charmante Art zu sagen, dass die OP gut verlaufen ist und dass alles geklappt hat, was man sich erhoffte. Gleichzeitig nimmt dieser Satz aber auch noch ein bisschen die Dramatik aus der schweren Situation. Und er ist auf eine herzliche Art auch typisch amerikanisch. (Könnte man sich einen deutschen Chirurgen vorstellen, den man zwar kaum kennt, aber der dennoch mit den Worten "Sie können den Arzt jetzt umarmen" aus dem OP auf die Eltern zugeht?) Ganz abgesehen davon kann ich mir für diesen Moment keinen Satz vorstellen, der schöner wäre: das ist der Moment und das ist der Satz. Eine Einheit. Für mich ist das irgendwie zu einem geflügelten Wort geworden. "You can hug the doctor now" ist ein Lebensgefühl.

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