A Conversation with Poet John Ashbery
Mr. Ashbery, if you were to fill out an application for an apartment or a credit card, when it comes to vocation, do you put "poet"?
John Ashbery: No, that's very embarassing, to say that you're a poet. In fact, I can't think of any other artistic trade that has the same amount of embarassment attached to its title. I always think of a scene in Jean Cocteau's movie "Orphée" where Orpheus is being cross-examined by three judges and one asks him what he does and he says he's a poet and the judge says: "What does that mean?" and Orpheus says: "It means to write and not be a writer."
(Das ganze Interview, auch mit "Interesting People of Newfoundland" gelesen von Ashbery)
Überhaupt darauf gekommen, nach Ashbery das Internet zu durchforsten, war ich nur, weil mir heute nach langer Zeit wieder ein sehr schönes Gedicht von ihm in die Hände gefallen ist. Dem herbstlichen Nesttrieb, das Heim für mehr drinnen verbrachte Zeit aufzuräumen und herzurichten sei Dank.
Die Geisterreiter des Mondes
Heute würde ich es lassen, wie es gerade ist.
Der Taschenkamm – "schmutzig wie ein Taschenkamm" sagen Franzosen,
doch nicht so schmutzig, jedenfalls nicht im übertragenen Sinn,
wissen einige intuitiv; das Rasiermesser, das im Winkel
zur steilen Zahnbürste liegt, wie ein Alligator, der sich
an eine Bayadère heranmacht, die einzigartige Wirkung aller Dinge,
die nichts als sie selbst sind, der helle Wahnsinn also
ohne Entschuldigungen bei der Welt oder dem Äther,
und dann die bröselnde Erkenntnis, dass ein Innehalten
verlangt wurde. Dass die Treppenabsätze
sich dazu verschwörten. Dass das kochende Öl sich
über den Rand der Schale krümmte und einfach stehenblieb.
Dass es nichts zu entschuldigen galt, nichts nie
mehr, keine Alibis für die umgetauschten Artikel,
ein Unentschieden eben, seelenruhig, ewigwährend. Und wir
können erneut ohne Vorurteil oder Einflüsterungen den Überzug
der Dinge bewundern und deren Kerne diskret zur Seite
legen – ausspucken eben. Solche
Gegenstände, wie sie sich meine Geduld wie ein Scheinwerfer
auserwählt, sind noch eine Meile extra gegangen,
wie Schulkinder, und nun sitzen sie
in aufmerksamen Reihen und warten adrett darauf, dass diese Wörter
die bestürzten Winkel der Stille überfluten. Letztendlich
sammelten wir sie um der unerreichten Gleichgültigkeit willen,
die sie einander und dem Zirkus zeigten,
der uns alle beherbergt, und weil sie sich sammeln ließen –
dessentwillen, und weil sie dazu neigten, auseinanderzufallen.
John Ashbery: No, that's very embarassing, to say that you're a poet. In fact, I can't think of any other artistic trade that has the same amount of embarassment attached to its title. I always think of a scene in Jean Cocteau's movie "Orphée" where Orpheus is being cross-examined by three judges and one asks him what he does and he says he's a poet and the judge says: "What does that mean?" and Orpheus says: "It means to write and not be a writer."
(Das ganze Interview, auch mit "Interesting People of Newfoundland" gelesen von Ashbery)
Überhaupt darauf gekommen, nach Ashbery das Internet zu durchforsten, war ich nur, weil mir heute nach langer Zeit wieder ein sehr schönes Gedicht von ihm in die Hände gefallen ist. Dem herbstlichen Nesttrieb, das Heim für mehr drinnen verbrachte Zeit aufzuräumen und herzurichten sei Dank.
Die Geisterreiter des Mondes
Heute würde ich es lassen, wie es gerade ist.
Der Taschenkamm – "schmutzig wie ein Taschenkamm" sagen Franzosen,
doch nicht so schmutzig, jedenfalls nicht im übertragenen Sinn,
wissen einige intuitiv; das Rasiermesser, das im Winkel
zur steilen Zahnbürste liegt, wie ein Alligator, der sich
an eine Bayadère heranmacht, die einzigartige Wirkung aller Dinge,
die nichts als sie selbst sind, der helle Wahnsinn also
ohne Entschuldigungen bei der Welt oder dem Äther,
und dann die bröselnde Erkenntnis, dass ein Innehalten
verlangt wurde. Dass die Treppenabsätze
sich dazu verschwörten. Dass das kochende Öl sich
über den Rand der Schale krümmte und einfach stehenblieb.
Dass es nichts zu entschuldigen galt, nichts nie
mehr, keine Alibis für die umgetauschten Artikel,
ein Unentschieden eben, seelenruhig, ewigwährend. Und wir
können erneut ohne Vorurteil oder Einflüsterungen den Überzug
der Dinge bewundern und deren Kerne diskret zur Seite
legen – ausspucken eben. Solche
Gegenstände, wie sie sich meine Geduld wie ein Scheinwerfer
auserwählt, sind noch eine Meile extra gegangen,
wie Schulkinder, und nun sitzen sie
in aufmerksamen Reihen und warten adrett darauf, dass diese Wörter
die bestürzten Winkel der Stille überfluten. Letztendlich
sammelten wir sie um der unerreichten Gleichgültigkeit willen,
die sie einander und dem Zirkus zeigten,
der uns alle beherbergt, und weil sie sich sammeln ließen –
dessentwillen, und weil sie dazu neigten, auseinanderzufallen.
wasweissich Lyrik (the beat) - 22. Sep, 19:29
