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Gestern im Zug: eine Frau, ein Mann und ein Kind. Auf dem Weg nach Frankfurt waren sie, um von dort über Dubai nach Tansania zu fliegen, in seine Heimat. Die deutsche Frau mit einem Zweijahresvertrag für eine Stelle als Deutschlehrerin in der Tasche, das Kind ein dreijähriges Mädchen, das sich selber stillte: immer wieder lief sie zur Mutter, schob deren T-Shirt hoch und trank ein paar Züge, hüpfte dann weiter im Abteil herum und fragte immer wieder: "Warum macht der Junge so komische Geräusche?", womit sie natürlich John meinte. Heute um 14:30 Uhr sollen die Drei an ihrem Zielort ankommen und ich frage mich, wie die lange Reise wohl weiter verlaufen ist und wie die nächsten Jahre für die kleine afrikanisch-deutsche Familie wohl werden. Ich muss daran denken, wie mir die Frau erzählte, dass diese Zugfahrt der Beginn eines ganz neuen Lebens sei, dass sie alles dagelassen haben außer der Siebensachen, die sich mit uns im Abteil befanden. Sie hat sich richtig gefreut. Sie machte so einen präsenten Eindruck, ganz hier und ganz jetzt, ganz in diesem Moment des vorbereiteten und antizipierten Neubeginns anwesend, bereit, schon bei der Anreise zum Flughafen damit zu beginnen, jede Sekunde des neuen Lebens aufzusaugen. Wobei ihre Ausstrahlung der Präsenz letztlich vielleicht etwas trügerisch ist, rührt sie doch tatsächlich von Imaginationen her und veranschaulicht somit weniger die Anwesenheit im Moment, als vielmehr, welch kraftvolle Zuversicht (oder zuversichtliche Kraft?) im Versprechen einer neuen Zunkunft, eines komplett anderen Lebens liegt.
wasweissich Fernweh & Heimweh - 12. Sep, 08:18
