Heute kann es regnen, stürmen oder schneien...
Emo-Posting muss sein. Um halb sieben im Bett schon John vorgesungen "Wie schön, dass du geboren bist...", er liebt das Lied so sehr, da strahlt er immer ganz stolz übers ganze Gesicht. Six candles also, heute. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es schon sechs Jahre her ist, dass ich ihn geboren habe (klar, auch daran muss man an so einem Tag denken, an diesen Wahnsinnsmoment im Leben, ein Kind zu gebären). Und was alles passiert ist in den sechs Jahren, all das Kämpfen, der Tiefpunkt der Tiefpunkte im Epilepsiezentrum Bethel, entlassen mit dem Satz der Chefärztin: "Ihr Kind wird keinen Tag in seinem Leben anfallsfrei sein. Überlegen Sie sich, wie Sie damit umgehen wollen." (Dieselbe Ärztin entließ eine andere Mutter aus unserer Elterngruppe mit dem Satz: "Wenn ich Ihnen einen Rat geben darf: bekommen Sie schnell ein neues Kind; aus diesem hier wird nichts.") Und wie John in diesen sechs Jahren immer noch lachen konnte, selbst als sein Leben Tag und Nacht praktisch nur eine Aneinanderreihung epileptischer Anfälle und diverser Nebenwirkungen der Medikamente war. Und wie er das alles gemeistert hat, so ein kleines Kind, mit einer Wahnsinnskraft und einem bedingungslosen Lebenswillen. ("Mr. Personality" war sein Spitzname schon im Alter von acht Monaten in der Kita des Lutheran Trinity Center in Roselle, Illinois, kein Mensch hätte ahnen können, wie sehr sich das in den nächsten Jahren bewahrheiten und beweisen würde.) Und wie er dann mit klassischer Homöopathie alleine anfallsfrei wurde, nach allem, was in den diversen Kliniken versucht worden war, Cuprum metallicum LM 18, der Names unseres Lebensretters. (Der Chefarzt in Oldenburg sagte, er könne sich das nicht erklären, das sei wohl ein Wunder: der Arzt, der lieber an ein Wunder glaubt als an eine alternative Heilmethode, da musste ich wirklich schmunzeln). Und jetzt ist John schon über ein Jahr anfallsfrei, vielleicht sollte ich das zu Ehren seines Geburtstags der Chefärztin in Bethel mal e-mailen. Und natürlich, jeder Tag ist ein Geschenk und ich würde meinen kleinen Großen und großen Kleinen nicht missen wollen und nichts ändern, an allem nicht: gewünscht hätte sich sowas natürlich im Voraus niemand, aber im Nachhinein betrachtet war vieles daran gut und lehrreich, schwere Zeiten liegen hinter uns, ja, und schwere Zeiten liegen sicherlich noch vor uns, aber meine Meinung – fast ein bisschen erstaunt und daher zaghaft zunächst, dann langsam wachsend und in den letzten Monaten immer unumstößlicher werdend – ist, das gehört alles zum Leben dazu. Und es ist kritikwürdig, dass das immer weniger akzeptiert wird, viele Beispiele habe ich schon in diesem Weblog dafür gegeben und die Ärztin in Bethel ist das Beispiel, an das ich heute denken muss. Jetzt freue ich mich aber lieber auf die Feier gleich mit den autistischen Kindern in der Frühfördergruppe, die sich wie immer alle ignorieren werden (die absurden Feiern in dieser Gruppe, herrlich, auf eine Art) und auf unsere kleine Feier heute zuhause und auf die Feier bei meinen Eltern am Wochenende.
Glücklich an diesem glücklichen Tag sage ich: Hoch lebe das Kind, aus dem garantiert nichts wird.
Glücklich an diesem glücklichen Tag sage ich: Hoch lebe das Kind, aus dem garantiert nichts wird.
wasweissich Epilepsie & Autismus - 7. Sep, 08:40

Von solchen Ratschlägen ärztlicherseits hört man ja leider öfter. Vielleicht ist da ein Feedback gar nicht so schlecht.