Douglas Coupland: JPod

Googelt man "jPod review", fragt Google nach, ob man nicht "iPod review" meinte. Das ist schon ein bisschen couplandesque-ironisch, nachdem Google in dem Buch bezeichnend vorkommt.

"I've come to the conclusion that documents are thirty-four percent more boring when presented in the Courier font", stellt Protagonist Ethan Jarlewski fest. Vielleicht keine unbedingt revolutionäre Beobachtung, natürlich hat man das selbst schon gedacht, sich womöglich schon einmal darüber mit Leuten unterhalten. Und genau das ist es, was einem beim Lesen des Romans immer wieder passiert: man findet vom Essen über Kleidung über Arbeitsleben über Fernsehkonsum bis hin zu Gesprächen alles wieder, was man kennt. Coupland beobachtet, wie immer, treffend, genau, etwas überspitzt und manches Mal ad absurdum führend. Er tut dies nicht auf eine penetrante Weise und liefert keinen plagiativen Zusammenklatsch aufgeschnappter Beobachtungen und Dialoge, sondern er erzählt eine stimmige, trotz seiner großen Unterhaltsamkeit dennoch auch leicht deprimierende, weil wieder einmal desillusionierende Geschichte.

Ethan, seine verrückte Familie und seine Kollegen geraten in die absurdesten Situationen und doch hat man den Eindruck, dass eigentlich gar nichts passiert und das Leben einfach nur vor sich hin tröpfelt. Linda Richards beschreibt das so: "That's not to say that nothing happens in jPod. It does. In fact, quite a lot happens. But all of it occurs with such typical Couplandesque post-slacker insouciance, you almost don't feel it until it's upon you." Ich würde sagen, man fühlt es noch nicht einmal dann. Man nimmt es einfach mit, ohne Konsequenzen, ohne eine nachdrückliche Empfindung des Geschehenen zu entwickeln – das nachdrückliche Empfinden spielt sich unterschwellig, fast losgelöst von der Handlung ab.

Dazu passt vielleicht diese Beobachtung in der Rezension des Guardian, in Zusammenhang mit Couplands überdeutlicher Anspielung auf "The Crying of Lot 49" von Thomas Pynchon: "As with Pynchon, Coupland's world teems with data: we may not know what to make of it, but it is, nevertheless, on some level, a coded attempt to communicate." Auf irgendeinem Level, ja. Man kann das nicht genau lokalisieren. Viele Hinweise, das häufig kritisierte Name-Dropping von Markennamen ist auch in diesem Roman wieder zu finden, funktionieren auf einem Wiedererkennungslevel, das jeden Leser in seine eigene Erinnerungswelt und zu eigenen Konnotationen führt. Die genaue Festlegung ist also weder erwünscht, noch notwendig. Hierzu heißt es treffend in der New York Times: "He knows his reader will know [...] that every bit of cultural detritus we rely on to get through the day, no matter how alive it may presently appear, is in a constant state of decay and utterly disposable."

In den Rezensionen, die bisher erschienen sind (größtenteils sehr positiv), wird kontrovers diskutiert, dass Coupland eine Figur namens Douglas Coupland in den Roman geschrieben hat. Ich finde, er selbst erklärt den Grund einleuchtend – Weblogger aufgepasst – in diesem Interview des Observer: "Many of us now exist in a secondary fashion, a meta-fashion, thanks to the internet, and the second you is related to but isn't quite you, so I thought it would be an idea to exploit this. If I put my own name into Google or Yahoo, I will discover that a kind of meta-Doug exists. I exist in there, my name, but it's not me: it's a mix of truths, half-truths, nonsense, misunderstanding, rumour, misinterpretation. But the thing is that Meta-Doug is going to exist for a lot longer than the real one is in this world. Once I'm gone, this other me is going to keep on going on the net, cut and pasted and repeated: in the future we will all exist there, in this flawed afterlife." Ich sortiere das in der ersten Begeisterung gleich in die Schatzkiste ein.

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