Life is elsewhere

Die Financial Times Deutschland berichtet darüber, dass sich die Arbeiterwohlfahrt, die Diakonie und das Rote Kreuz den Forderungen der Kommunen nach Leistungskürzungen bei Langzeitarbeitslosen angeschlossen haben. Als Grund für die Befürwortung von Kürzungen wird genannt, dass die Ausgaben für Langzeitarbeitslose andere wichtige soziale Projekte etwa in der Kinder- und Jugendarbeit gefährden.

Kinder- und Jugendarbeit versus Arbeitslosenunterstützung, sollen sich die Bedürftigen halt untereinander die Augen aushacken. Kann man nachher sicher alles mit 1-Euro-Jobs kompensieren. Ich könnte hier eine lange Litanei schreiben, zum Beispiel über richtig schlimme Dinge, die ich aus einer Behinderten-Einrichtung einer dieser Wohlfahrtsverbände weiß. Aber es kotzt mich einfach alles zu sehr an: das Wissen, dass an anderen Ecken so viel Geld verschleudert wird, die Frustration darüber, dass ich mit meinem behinderten Kind von solchen Verbänden auch noch abhängig bin, die Traurigkeit darüber, dass nun auch noch soziale Verbände ein Klima erzeugen, in dem sich Arbeitslose vorkommen müssen wie der letzte Dreck, nun nehmen wir auch noch Kindern und Jugendlichen Gelder weg. Was man sich für den Erhalt von 469 Euro pro Monat für den Lebensunterhalt von zwei Personen jeden Tag anhören muss, wird immer schlimmer. Man fragt sich, was man tun soll: am liebsten wahrscheinlich sich und das unproduktive Kind gleich umbringen, vielleicht taucht die Forderung ja demnächst auch noch auf, implizit wird sie einem ja jeden Tag schon untergejubelt. Nein, ich kann das gar nicht in Worte fassen, wie sehr mich das ankotzt. Gut, dass ich ab 1. Juni arbeiten werde, auch wenn ich dabei genauso rumkrebsen werde wie jetzt, ist das vielleicht, vielleicht, hoffentlich zumindest mit einer kleinen Aufwertung des Selbstwertgefühls verbunden.

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