...

In der Post eine Einladung zur 125-Jahr-Feier der Bücherei, in der ich lange ehrenamtlich gearbeitet habe. Ich erinnerte mich mit der Karte in der Hand eben an einen Tag vor etwa 17 Jahren, als ich die ganze Samstagnacht durchgefeiert hatte und Sonntagmorgen ohne Schlaf in die Bücherei zum Dienst gegangen war (always the best of both worlds). Mit mir zusammen arbeitete immer ein ganz liebes Mädchen, die nie die Nächte durchmachte. Sie war etwas älter und hatte gerade den Führerschein gemacht. Sie erzählte mir, dass man im Rückwärtsgang niemals Gas geben, sondern nur ganz vorsichtig mit Standgas zurücksetzen dürfe und es sei unverantwortlich, wenn Leute eine längere Strecke rückwärts mit Gasgeben fahren, wie sie das schonmal gesehen hatte. Und außerdem fahre sie jetzt manchmal das Auto ihrer Eltern, das fünf Gänge hat, aber sie benutze nur vier davon, denn sie hatte in der Fahrschule mit einer 4-Gang-Schaltung gelernt und könne den fünften Gang daher nicht benutzen. In meinem völlig verkaterten und übermüdeten Zustand hatte ich da am Ende der Welt, in diesem kleinen Dorf, in dieser veralteten und etwas muffigen Bücherei so einen deprimierenden Moment der tiefen Erkenntnis, wie wahnsinnig unterschiedlich die Menschen sind und wie schlecht daher wohl die Aussichten sind, dass sie jemals dauerhaft friedlich miteinander umgehen.

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