Julio Cortázar: Rayuela. Himmel und Hölle

"Die Intimität der Travelers. Wenn ich mich von ihnen an der Haustür oder im Café an der Ecke verabschiede, spüre ich mit einemmal den Wunsch, in ihrer Nähe zu bleiben, ihrem Leben zuzusehen, Voyeur ohne Gelüste, freundschaftlich, ein wenig traurig. Intimität, was für ein Wort, man bekommt direkt Lust, ihm das schicksalhafte H anzuhängen. Hintimität. Aber welches andere Wort könnte das – intimar, eindringen (in einer ersten Bedeutung des Wortes) in die Haut der Bekanntschaft, in den epithelischen Grund der Freundschaft, die Talita, Manolo und mich verbindet. Die Leute halten sich für Freunde, weil sie ein paar Stunden in der Woche auf einem Sofa, im Kino, zuweilen in einem Bett zusammentreffen oder weil sie zufällig in einem Büro die gleiche Arbeit verrichten. Wie oft hat uns als Jüngling in einem Café die Illusion völliger Identität mit den Freunden glücklich gemacht. Identität mit Frauen und Männer, von denen wir höchstens eine Art ihres Wesens, eine Art sich zu geben, ein Profil kannten. Mit einer der Zeit entrückten Klarheit erinnere ich mich an Caféhäuser in Buenos Aires, in denen es uns für Stunden gelang, von der Familie und den Verpflichtungen freizukommen, wir betraten ein Territorium aus Rauch und Vertrauen in uns selbst und die Freunde. Wir fanden etwas, das uns mit den Problemen aussöhnte und uns eine Art Unsterblichkeit verhieß. Und dort, als Zwanzigjährige, sprachen wir unser hellsichtigstes Wort, lobten wir die tiefsten Gefühle, waren wir die Götter des halben Liters Bier und der kurzen Havanna."

Die Götter des halben Liters Bier und der kurzen Havanna – nicht nur wegen dieses Satzteils, sondern auch wegen der anderen 636 Seiten ein Schatz, dieses Buch, das auch zu denen gehört, die man meiner Meinung nach unbedingt lesen sollte.

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