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Wissenschafts-Café

My neighborhood is ganz, ganz anders!

"Our relationship existed in this weird third-lingual space," I would explain to my New York friends, gesturing with my hands in the air.

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Mr. und Mrs. D. kamen mit einem anderen Flug an als in den Listen angekündigt, und waren entsprechend sauer, dass sie niemand am Flughafen abgeholt hat, auch das Zahlen des Taxis half da zunächst nicht viel, da hatte ich also schon am Morgen des Ankunftstages das in jeder Gruppe auftauchende "Paar, das besondere Aufmerksamkeit braucht." Das Gepäck von Mrs. C. ist schon am Startflughafen in den USA in eine falsche Richtung geflogen worden, es soll noch einen Tag dauern, bis es ankommt, vielleicht aber auch zwei. Der BlackBerry von Dr. W. funktioniert nicht, ebensowenig die Kreditkarte von Mr. L. Und Mrs. R. hat angegeben, dass sie nicht besonders gut lange Strecken laufen kann, was sich als eklatanter Euphemismus herausstellt, denn sie braucht einen Rollstuhl. Da wir dies vorher nicht wussten, wurde keiner besorgt, und der einzige Rollstuhl des Hotels ist über das ganze Feiertagswochenende schon verliehen. Wir organisieren einen anderen.

Die Busfahrer streiken. Die Geschäfte sind wegen Maifeiertag geschlossen. Die Amerikaner staunen über diese Alte Welt, nehmen es aber sportlich. In der Lobby spielen alle im Hotel wohnenden Kinder mit dem Weltkugel-Brunnen: man sieht sie hier und da aus einem der Aufzüge kommen, und wie magisch angezogen immer den Weg zu dem Brunnen finden. An der Rezeption gibt es Schreibunterlagen, die drei eingebaute Uhren haben: Berlin, Washington, Moskau. Wenn man einen ganzen Tag in der Lobby verbringt, wird man nicht nur halb verrückt (die Musik!), sondern sieht auch: die Crew einer wahrscheinlich asiatischen Fluggesellschaft, die offensichtlich in Berlin übernachtet. Die Frauen tragen nicht nur alle das gleiche Kostüm, die gleichen Schuhe, haben die gleichen Koffer, die gleichen Handgepäck-Taschen, das gleiche Make-Up, das alles verstünde man ja noch, so weit ist man ja schon degeneriert, nein, sie haben auch alle die gleiche Gesichtsform und tragen das gleiche Haarteil. Später taucht dann zuerst einer der Piloten in Freizeitkleidung auf (Sport-Shirt, Jeans, Turnschuhe), und dann die Flugbegleiterinnen. Sie, die vorher so unglaublich auffällig gewesen waren, sind nun im Gegenteil so unglaublich unauffällig, dass man sie gar nicht wahrnehmen würde, hätte man nicht brennend auf ihr erneutes Erscheinen gewartet.

Am zweiten Tag Aufstehen um halb sechs, um acht nämlich schon Vortrag in Potsdam, um zehn dann wieder im Hotel in Berlin. Der dritte Tag wird wohl am schlimmsten, denn da sind vier Gruppen gleichzeitig zu jonglieren: zwei am Potsdamer Platz, eine am Kudamm und eine in Potsdam. Abends ist man so aufgekratzt vom ganztägigen Notfall-Management, denn darauf läuft das alles am Ende meistens irgendwie hinaus, dass man nicht leicht runterkommen kann.

Ich habe sechs Kissen auf meinem riesigen Bett. Das Zimmer ist so angenehm sauber, das kenne ich von Zuhause gar nicht, sofort kommt mir mein Zuhause unglaublich schäbig vor, denn außerdem ist hier ja alles heile, funktionsfähig, ein Zustand, den ich Zuhause schon längst aufgegeben habe anzustreben. Und ah, diese Ruhe, kein Sterbenslaut und auch kein lebendiger, nur das leise Surren der Klimaanlage. Man könnte schwimmen gehen oder in den hoteleigenen Health Club. Oder in den Tiergarten: an der Rezeption gibt es sogar "Jogging maps".

Oder Baden. Baden ohne dass entweder ein Kind gegen die Tür donnert, weil es rein möchte, oder ein Kind mit allen Klamotten zu einem in die Wanne springt, wenn man es denn ins Badezimmer lässt, Baden ohne das muss ja sehr entspannend sein. Leider verbringe ich die ganze Zeit in der Badewanne dann damit, zu denken: "Zuhause könnte ich ja nie so ruhig baden. John würde ja schon längst gegen die Tür donnern. Niemals ginge das, hach, das ist doch schön, endlich mal so ruhig baden, wie es Zuhause nie ginge. Zuhause wäre ich längst genervt vom Gegen-die-Tür-Donnern, würde einfach duschen und so schnell wie möglich die Tür öffnen. Oder gleich die Tür öffnen, und dann würde er mit Klamotten in die Wanne springen. Hier gibt es das ja alles nicht. Irgendwie komisch. Man könnte richtig lange baden. Das ganze Leben ist anders, aber irgendwie komisch, Zuhause wäre das ja alles ganz anders..." Ich befinde mich in einer so unproduktiven Denkschleife, dass ich zu bezweifeln beginne, wie entspannend das letztlich wirklich ist.

Dann also lieber in Ruhe Zeitung lesen, wobei, gut, in Ruhe ist auch wieder etwas übertrieben, denn wenn ich lese, dass die ZEIT ein dreiteiliges Internetspezial beginnt und nächste Woche der einzige Beitrag zu Weblogs lautet: "Blogger: Nicht immer fair und freundlich", dann ist es schon wieder aus mit der Ruhe, zumindest der inneren, und die Zeitung landet auf dem sauberen Teppich.

Ein eher zufälliger Blick in den Nachtschrank hat übrigens ergeben, dass im Marriott nicht nur das Neue Testament, sondern auch ein Testament der Mormonen ausliegt: "The Book of Mormon. Another Testament of Jesus Christ", published by The Church of Jesus Christ of Latter-day Saints, Salt Lake City, Utah, U.S.A. Ich bin direkt nach unten gefahren und habe an der Rezeption nachgefragt, ob das vorherige Gäste vergessen haben, aber man teilte mir mit, das liege in jedem Zimmer aus. Mir ist das unheimlich, ich fühle mich jetzt komisch in meinem schönen Zimmer.

Der Eigenkosmos von Hotels, jenseits von Raum, Zeit und den üblichen sozialen Beziehungen, ist seit "Lost in translation" als Topos eigentlich ja schon fast erschöpfend behandelt. Eine besondere Dynamik entfaltet sich allerdings, wenn man in der eigenen Stadt im Hotel lebt. Man ist da und gleichzeitig weg.

Das Internet ist natürlich unverschämt teuer: 19,95 Euro für 24 Stunden, oder 5,95 Euro für eine Stunde, aber egal. Letztlich hilft nur das Internet gegen kosmopolitische Luxushotels, gegen heimisch-fremde Unterbringung.

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moni.wasweissich[at]web.de

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Die Phantasie ist ein ewiger Frühling (Schiller)

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