Die Titanic und Herr Berg
An der UIC in Chicago war ich mal auf einer Veranstaltung des German Department mit Marlene Streeruwitz. Ich hatte den festen Vorsatz, live endlich einen Zugang zu Streeruwitz zu finden, der mir beim Lesen immer fehlte. Leider hat die Veranstaltung damals nichts daran geändert. Genauso geht es mir gerade mit Kirsten Fuchs und "Die Titanic und Herr Berg". Wenn ich kürzere Passagen daraus lese, oder das Manifest beispielsweise, dann denke ich, ja, da ist was Interessantes, sprachlich prima, anders, neugierig auf mehr machend. Aber so ein ganzes Buch davon, da verharrt das einfach irgendwo und geht nicht weiter. Das Schreiben ist so ironisierend gebrochen, so distanziert, steht so über den Gefühlen der beiden Protagonisten, dass man ganz weit weg ist von ihnen und vergeblich nach Tiefe sucht, was ja durchaus auch Absicht sein kann. Dieses Gefangensein, sprachlich fast ins Unerträgliche exerziert, das ist zum Beispiel bei Beckett ja ganz großartig. Doch hier reduziert sich das neben allgemeinem Ennui am Ende größtenteils auf Sex, so als wolle man mal richtig provozieren, Nina Hagen, aber muss das heute noch sein, frage ich mich, wen beeindruckt das noch, wenn es dann nicht auch darüber hinausgeht. "Ein Text, in dem der Satz 'Wir rauchen beim Ficken' vorkommt, kann so schlecht nicht sein", dieses Radisch-Diktum ist so last year. Mir fehlt da was. Das Buch liest sich für mein Empfinden unterhaltsam und sprachlich interessant, nicht weniger, aber eben auch nicht mehr. Ist halt einfach nicht ganz so mein Ding (ich weiß, viele finden das ja ganz schön gut).
wasweissich Gelesen & Literatur - 5. Mrz, 11:29
